16. Dezember 2025 – Der Klima- und Transformationsfonds (KTF), das zentrale Finanzierungselement für die klimaneutrale Transformation in Deutschland, berücksichtigt soziale Aspekte bislang nur unzureichend. Vor allem Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen profitieren kaum von den Fördermitteln, obwohl sie einen großen Teil der Belastungen durch die CO-Bepreisung tragen.  Das zeigt eine neue Analyse des wissenschaftlichen Thinktanks Zukunft KlimaSozial.

„Ein Großteil der Ausgaben fließt in Programme ohne sozialen Fokus und in pauschale Entlastungen, die einkommensstärkere Haushalte und Unternehmen stärker begünstigen“, sagt Brigitte Knopf, Gründerin und Direktorin von Zukunft KlimaSozial. „Der Klima- und Transformationsfonds schöpft sein Potenzial für eine sozial gerechte Transformation bislang nicht ausreichend aus.“

Zentrale Herausforderungen des KTF aus klimasozialer Perspektive

Die Investitionen in sozial ausgerichtete Programme wie für den Heizungstausch oder zielgruppenspezifische Mobilitätsförderung belaufen sich auf nur etwa 14 Prozent der Programmausgaben. Gleichzeitig verschiebt sich die Ausgabenstruktur in der Zukunft zugunsten kurzfristiger Energiepreisentlastungen, während der Anteil an Investitionsausgaben leicht zurückgeht.

Die Analyse von Zukunft KlimaSozial zeigt im Vergleich von Einnahmen und Ausgaben im KTF ein starkes Ungleichgewicht zwischen Unternehmen und privaten Haushalten. So fließen dem Unternehmenssektor zusätzlich zu den von ihnen über den europäischen und den nationalen Emissionshandel eingezahlten Geldern rund sieben Milliarden Euro zu und damit über das Dreifache der Summe im Vergleich zu den privaten Haushalten. Diese erhalten nur rund zwei Milliarden Euro mehr, als sie direkt über die CO₂-Bepreisung einzahlen. „Damit profitieren vor allem die Unternehmen von dem Sondervermögen in Höhe von zehn Milliarden Euro, das jährlich in den KTF fließt“, sagt Felicitas Kaiser, Datenanalystin bei Zukunft KlimaSozial und Co-Autorin des Papiers.

Darüber hinaus entstehen durch die Verschiebung der Einführung des Europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS2) auf das Jahr 2028 Unsicherheiten bei den Einnahmen des KTF aus der CO₂-Bepreisung. Eine verlässliche Finanzierung ist aber unabdingbar, um Planungssicherheit sowohl für Privathaushalte als auch für Unternehmen zu schaffen.

Schieflage beenden – sozial gerechte Transformation für alle ermöglichen

Damit privaten Haushalten im unteren und mittleren Einkommensbereich Investitionen in die Transformation zur Klimaneutralität ermöglicht werden, braucht es ausreichend sozial gestaffelte Förderprogramme wie z. B. die bereits erprobte Heizungsförderung in der BEG. Diese sollte finanziell ausgebaut, noch stärker sozial gestaffelt und die Staffelung auf alle Teilprogramme wie die Gebäudesanierung ausgeweitet werden.

Um in Zukunft vor allem für mittlere und untere Einkommen genug Investitionen aus dem KTF finanzieren zu können, müssen dafür entsprechende Mittel bereitgestellt werden und die Gelder zielgerichteter ausgegeben werden. Pauschale (Energiepreis-) Entlastungen sollten deshalb eher in den Kernhaushalt verschoben werden. „Der dadurch entstandene Finanzspielraum im KTF muss für sozial ausgerichtete Investitionen in die Transformation verwendet werden“, erläutert Knopf. „Auch in Bezug auf das Klimaschutzprogramm, das von der Regierung spätestens im März 2026 beschlossen werden muss, ist es wichtig, dass ausreichend finanzielle Mittel für die soziale Gestaltung bereitgestellt werden.“

Nicht zuletzt könnte ein nationaler CO₂-Mindestpreis auf mittlere Sicht eine stabile Finanzierung der Programmausgaben im KTF gewährleisten und der unsicheren Einnahmensituation – vor allem in Bezug auf die Preisentwicklung im ETS2 – entgegenwirken.

Soziale Ausrichtung der Programmausgaben im KTF 2025 und 2026. Eigene Berechnung auf Basis des Wirtschaftsplans des KTF für 2025 und 2026.

Soziale Ausrichtung der Programmausgaben im KTF 2025 und 2026. Eigene Berechnung auf Basis des Wirtschaftsplans des KTF für 2025 und 2026.

KlimaSozial kompakt „Der Klima- und Transformationsfonds aus Sicht der privaten Haushalte“ zum Download


Wer wir sind: Zukunft KlimaSozial ist ein wissenschaftlicher Thinktank zur Verbindung von Klima- und Sozialpolitik. Unsere Vision ist eine klimaneutrale und sozial gerechte Zukunft. Das bedeutet gesellschaftliches Wohlergehen und Teilhabe für alle. Wir tragen mit Expertise, Ideen und Konzepten zum Gelingen bei. Dabei denken wir Klima- und Sozialpolitik von Anfang an zusammen und entwickeln neue Lösungsansätze. Wir arbeiten evidenzbasiert, zeigen verschiedene Optionen auf und bringen diese in den gesellschaftlichen Dialog ein. Gegründet wurde Zukunft KlimaSozial 2024 von Dr. Brigitte Knopf.


Kontakt:
Sina Lippmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Zukunft KlimaSozial
Institut für Klimasozialpolitik
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